Die Fahrt mit der SMS Bismarck in die Südsee

Dies ist die Korvette SMS Bismarck, dessen Korvettenkapitän Carl Deinhard von

1878-80 Kommandant des Schiffes war und mit ihr in die Südsee fuhr, um

auf Samoa wieder geordnete Zustände unter den Samoanern herzustellen.


Auf dieser Fahrt starb an der Ruhr am 2. August: Fritz Pangke, ein Mecklenburger,

er wurde bei Apia beerdigt. Am 10. August starb der Matrose Jacobs,

ein Hamburger, ebenfalls an der Ruhr und wurde auf See beerdigt.


Komando: Schraube hieven

Diese Korvetten hatten eine zweiflügliche Schraube, welche von der Welle

losgekoppelt, im Schraubenbrunnen, einem Loch, welches vom Oberdeck

senkrecht durchgeht, mit Hilfe von starken Taljen, hochgehievt wurde,

so daß sie die Fahrt unter Segel nicht behindern konnte.

persönl.Anm.




















Auf dieser Reise fuhr der Fotograph Philipp Remelé mit. Seine Fotos aus der

Südsee kann man unter Philipp Remelè und unter Deutsche Schutzgebiete ansehen.

Über das Schiff SMS Bismarck finden Sie unter Wikipedia weiter Informationen

persönl.Anm.





1. SMS Bismarck, eine gedeckte Korvette

Die SMS Bismarck ist eine gedeckte Korvette, die vom der Norddeutschen Schiffbau

AG gebaut wurde und am 25.7.1877 in Kiel vom Stapel lief. Schwesternschiffe sind

die Blücher, Stosch, Moltke, Gneisenau und Stein. Sie hatte 404 Mann Besatzung

und ein Gewicht von 3386 t voll ausgerüstet.

Die Indienststellung war am 27.8.1878. Danach fuhr sie unter Korvettenkapitän

Deinhard vom 1.10.1878 bis zum 14.10.1880 in den südlichen Pazifik, um dort

geordnete Zustände unter den Samoanern herzustellen.



2. Abschied von Wilhelmshaven, Kurs auf Madeira

Am 21. Nov. nachmittags hatten wir Inspizierung durch Herrn Admiral Bartsch und gingen gegen Abend auf Rheede vor Anker. Am 22. Nov. 1878 morgens 8 Uhr lichteten wir Anker, und nahmen mit einem dreimaligen Hurrah, Abschied von Wilhelmshaven und dem auf den Molen versammelten Publikum, unsere Fahrt nach See, für 2 Jahre auf Südsee-Station zu gehen. Unser nächstes Reiseziel war Plymouth in England, um daselbst unsern Kohlenvorrat zu ergänzen. Begünstigt von einem schönen, wenn auch etwas kalten Wetter gingen wir am 25. Nov. morgens 9 Uhr auf Rheede von Plymouth zu Anker. Am 26. und 27. Nov. wurden Kohlen übernommen und am 28. Nov. war großes "Rein Schiff". Jeden Abend hatte es für die Freiwache Land-Urlaub bis 10 Uhr gegeben. Leider kam es am 28. Nov. (die Backbordwache, wozu ich gehörte hatte Urlaub) abends zwischen 9 u.10 Uhr zu einem Konflikt zwischen Urlaubern und einem in der Nähe des Landungsplatzes befindlichen Alkohol-Ausschankbesitzers. Ursache zum Streit war, daß der Wirt von etlichen unserer Leute, eine nochmalige Bezahlung verlangte, die diese jedoch geleistet hatten, was auch von anderen gesehen worden war. Ich war selbst mit in dem Lokal und muß konstatieren, daß keiner von uns, es mochten 12-15 Mann sein, betrunken war. Da sich auch eine ganze Anzahl englischer Arbeiter und sonstiger Hafenbrüder im Lokal befanden, welche sich als Stammgäste gegen uns betheiligten, kam es zu erregten Auseinandersetzungen. Da es kurz vor 10 Uhr war, hatten wir, aus den aus der Stadt zurückkehrenden Urlaubern allerlei Zuzug erhalten und der Augenblick war gekommen, wo es wäre zu schweren Thätlichkeiten

gekommen, als einer von unsern Offizieren mit mehreren Unteroffizieren im Lokal eintraten, denn sie hatten davon gehört, es gelang ihnen unsere Leute zu beschwichtigen und nach dem Landungsplatz zu bringen. Da unsere Urlauberboote da waren, ging Alles in die Boote und nun begingen diese Hafenbrüder eine gemeine That, als wir von Land abgestoßen hatten, bewarfen diese Leute uns mit Steinen und hat mancher von uns einen abbekommen, da der Wirt den Anlaß zum Streit gegeben hatte, hatte die Mannschaft beschloßen, auf der Heimreise Vergeltung zu üben. Am 25. Sep. 1880 lagen wir wieder in Plymouth und es war ausgemacht, daß die Wache, welchen den ersten Abend Urlaub bekam, diese vollziehen sollte, Tauenden waren schon parat gemacht. Es kam aber anders. Kaptän Deinhardt hatte von der Sache Wind bekommen, ließ uns "Alle Mann" achter aus kommen, theilte uns mit, daß er von unserm Vorhaben wisse, und aus gewissen Gründen keinen Urlaub geben könne. (Heute verstehe ich diese Gründe besser als damals).Damit wir aber nicht zu kurz kämen, sollten wir an den beiden Tagen, die wir hier liegen mehrere Male Schnaps haben, was auch geschah. Nun wieder zu unserer Weiterreise. Am 29. Nov. 1878 lichteten wir Anker und es ging in See, Kurs nach der Insel Madeira. Da schönes Wetter und günstiger Wind herrschte, führten wir sämtliche Segel. Erwähnen will ich noch daß im Hafen, jeden Morgen 8 Uhr Flaggenhißung (Wachtparade) stattfindet, die Wache tritt ins Gewehr und präsentirt, der Tambor schlägt einen Wirbel und ist Musik an Bord, so tritt diese mit an und spielt die Nationalhymne, dasselbe geschieht bei Sonnen-Untergang, wenn die Flagge niedergeholt wird, auf See fällt dieses weg, aber die Flagge in kleinerem Format wird geführt.

3. Äquatortaufe

Am 26. Dez. passirten wir den Aequator, auch die Linie genannt und wurde hier an allen denjenigen, welche dieselbe noch nicht passirt hatten, die Taufe vollzogen. Ich will den Vorgang dieser Seemannstaufe, wie er sich auf S. M. S. Bismark vollzogen hat, so gut es geht beschreiben. Schon lange vorher, war von Leuten, welche schon früher getauft worden waren, allerlei geheimnisvolle Vorbereitungen getroffen worden. Am vorangehenden Abend des 26. Dez. wurde als es finster war, ein altes Faß, welches mit Holzstücken, Teer und Stroh gefüllt war angezündet und zu Wasser gelassen, wo es wegtrieb, es sollte dieses für den Meeresgott Neptun ein Zeichen sein, daß ein Schiff am nächsten Tag die Linie passieren will, wo Täuflinge an Bord sind, welcher dann seinen Adjudanten Triton noch denselben Abend an Bord schickt und anfragen läßt, ob er den nächsten Tag kommen soll. Als die brennende Tonne ziemlich außer Sicht war, rief plötzlich eine dumpfe Stimme außenbords "Schiff ahoi". Der Gebrauch will es nun, daß der wachthabende Offizier ans Fallreep geht und fragt, wer da ruft, Triton, es wird angenommen er schwimmt neben dem Schiff her, giebt sich zu erkennen und wünscht an Bord zu kommen. Da wir unter Segel waren, ließ der Offizier die Wache pfeifen, die Segel wurden back gebraßt, das Schiff kam zum Stillstand und eine Strickleiter wurde außenbords gehängt. Triton (ein maskirter Maat) kommt an Bord und läßt sich bei dem Kaptän melden, wo er sofort vorgelassen wird, wo in Kürze das nöthige besprochen wird, mit einer Flasche Wein und Portion Cygarren verläßt Triton die Kajüte und das Deck übers Fallreep um wieder zu verschwinden. Dieses An- und Vonbordgehen des Triton wird dadurch bewerkstelligt, daß er durch eine Geschützpforte in der Nähe des Fallreeps aus und ein klettert. Sobald Triton verschwunden war, wurden die Segel wieder voll gebraßt (gedreht) und setzten unsere Reise weiter. Ändern Tages, als am 26. Dez. hatten wir schönes Wetter und leichten Wind. Nach dem Mittagessen wurde das Vordeck durch ein Segel abgesperrt, damit Neugierige nicht sehen sollten, was dahinter vorging, denn hier wurde die nöthige Maskerade aufgezogen. Auch war man, während Alles beim Mittagessen war, beschäftigt gewesen, allerlei Pützen (Eimer) Wasser im Großmars unterzubringen und wo sich allerlei Leute versteckt hielten. Nachdem gegen 2 Uhr Alles in Ordnung war, erschien mit dem Rufe "Schiff ahoi" Triton wieder außenbords, das Schiff wurde wieder durch backbraßen zum Stillstand gebracht, Triton kam an Deck und meldete dem Kaptän, daß Neptun im Anzuge sei. Triton in seiner Maskirung, und einem langen Fern-rohr umgehängt, geht mit dem Kaptän auf die Brücke und übernimmt das Kommando. Triton läßt nun "Alle Mann aufs Achterdeck" pfeifen und nachdem die Mannschaft sich daselbst versammelt hat, fällt der Vorhang auf das Vorderdeck und Neptun erscheint mit seinem Gefolge um sich ebenfalls auf dem Achterdeck einzufinden. Voran die Musikkapelle, einen Marsch blasend, in allerlei Flaggen malerisch gekleidet, mit Turbans versehen, welche das ganze Gefolge hatte, kam dann Neptun angethan in morgenländischer Kleidung, rothem Mantel, wallendem Bart, die Krone auf dem Haupte und den Dreizack als Zepter. Er saß auf einer Protze eines Landungsgeschützes, welches von 4 schwarz gemachten Negern mit nur einem Lendenschurz versehen, gezogen wurde. Ein fünfter Neger ging hinterher mit einem Wedel, um von Neptun die Fliegen zu vertreiben. Sein Gefolge bestand aus dem Sekretär, welcher ein großes Buch hatte, worin die Täuflinge eingetragen waren, der Astronom mit großem Sextant und Fernrohr, der Pfarrer im Talar mit Gebetbuch, der Barbier mit zwei Gehilfen, dieselben trugen je ein Eimer mit Seifenschaum, einen Seifenquast von 14 ctmr. Durchmesser, ein Rasiermesser von ca. 60 ctmr. Länge, Fabrikmarke "Vukan", 1 Kamm wie ein Heurechen, eine hölzerne Schere von ansehnlicher Länge, sowie Haarbürsten zum Frisieren, die kein Hofbürstenmeister verfertigt hatte, der Seifenschaum bestand aus angerührter Schlemmkreide. Dann folgten noch mehrere schwarze Polizisten mit Säbeln bewaffnet, Handschellen zum Gebrauch in den Händen um etwaige Drückeberger aufzusuchen und gefesselt vor Neptun zu bringen, wo sie dann exemplarische Strafe zu gegenwärtigen hatten. Zuletzt noch eine Anzahl schwarzer Seeleute, welche sämtliche Posten ablösten, so daß also keiner sich drücken konnte. Die schwarze Farbe war Wasserfarbe. Auch zwei als Nixen verkleidete Leuten gab es , welche verliebte Blicke um sich warfen. Alle waren bunt drapirt je nach ihrer Verrichtung. Als Neptun auf dem Achterdeck angekommen war, gruppirt sich sein Gefolge um ihn herum. Triton, welcher auf der Brücke das Kommando hat, läßt die Segel vollbraßen und das Schiff fährt der Linie entgegen, Neptun gebietet nun Ruhe und hält an die Besatzung eine Ansprache, die ich hier (teilweise)wörtlich wiedergebe:

Bismark naht, so sagte mir
Triton, als er Euch empfangen
Um vom Südpol bin ich Euch
schnell entgegen dann gegangen.
Um auch hier nach altem Brauch
Alles was da ist am Leben
durch der Taufe Wasserflut
meinen Segen hinzugeben.
Bismark nennt sich dieses Schiff
und vom Topp bis zu dem Kiele
Und ich lüge, sagte ich
daß es mir nicht gut gefiele,
darum werd ich Euch auch stets
Über alle Fährlichkeiten
gleich wie Bismark Euer Land
Schnell und sicher hin geleiten.
Nur Eines bitte ich mir aus,
Seid mir deutsch in Allen Dingen
Schnell und ruhig in Gefahr
Dann wird's Euch gewiß gelingen
Euren Bootsmann zu gewinnen
Und in den zwei langen Jahren
Die Ihr noch beisammen seid
Recht gemüthlig einst zu fahren!"
(Neptun öffnet jetzt seine Ordenskiste.)
"Kaptän Deinhard, seh ich recht
Seid mit tausendmal willkommen,
Im Olymp hab' ich oft von Euch,
Doch nie böses ich vernommen.
Alte Zecher hab ich gern
Bacchus seid Ihr auch willkommen
Und Gambrinus freut sich
daß er von Euch hat vernommen.
Selbst der Amor, dieser Knopp
Wie Ihr wisset! naseweiß
Sagte mir, in Wilhelmshafen
Sei manch schönes Äug' noch heiß.
Doch der langen Rede Sinn
Ist nur der Euch zu beweisen
Daß Verdienst belohnet wird,
Auch in meines Hofes Kreisen
Drum als Zeichen meiner Huld
Die schon lange Euch geworden
Nehmt aus meiner eignen Hand
S' Kreuz vom goldnen Dreizackorden!

Herr von Levtzow! (Der erste Offizier) Ihr hier!
Lang hab ich Euch nicht gesehen
Meine Freud ist wirklich groß
Daß muß ich Euch laut gestehen
Und ich seh' es in Aller Mienen
Jeder freut sich mit mir
daß dies schöne Schiff gekommen
Euch als Ersten Offizier
Euer Tatkraft wird's gelingen
Dieser ungeschliffnen Schaar
Trimm und Ordnung beizubringen
Wie's auf keinem Schiff noch war.
Doch um eins muß ich Euch bitten,
saget Eurem Wasserwicht
Mit dem Wasser nicht zu knausern
Orden dafür giebt es nicht.
Und da jeder echte Seemann
Feuchtes über Alles liebt
Sorgt daß es am heutgen Tage
Es Grog in großer Menge giebt.
Üeberzeugt daß meine Wünsche
Für Euch stets Befehle sind
Ziere Euch fortan der Orden
Von dem kleinen Fische Stint.

Kaptänlieutnant Hoffmann! (Navigationsoffizier)
Der Astronom ist hier geworden
Trag zum Angedenken mir
Diesen Mond-Distancen Orden.
Stabsarzt Bubke, wie Ihr seht
Seid auch Ihr mir schon bekannt
denn im Orkus wird Euer
Name Hin und wieder schon genannt
Und da manchen armen Wicht
Ihr von Allem Weh kuriert
Werdet mit dem Haifischorden
Ihr für immer dekoriert
Herr von Herr von Franzius! (Batteriekommandeur
Und 1.ter Wachoffizier)! Im Salon
Wie auch am Geschütze groß
Den gezognen Gußstahlorden
Werdet Ihr nicht wieder los
Ihr befuhrt zwar diese Breite
Niemals hier, wie ich wohl weiß
Doch sah ich Euch schon wo anders
Wo Euch macht die Taufe heißl
........usw.

Und selbst der Maschinist
Von denen Dreien keiner
Noch hier gewesen ist
Sie sollen es erfahren
daß keiner hier passirt
Die nicht vom Bader gründlich
Und sauber sind barbiert.
Manchen würd' noch eine Ehr
Gerne noch erweisen hier
Doch der Ordensvorrat ist
Schon geworden alle mir
So beginne dann die Taufe
Jeder thue seine Pflicht
Doch es ist wohl in der Ordnung
Daß der Pfarrer erst noch spricht
Astronom bestimmt die Breite
Zeige sie dem Kapitän
Wissen soll ein Jeder, daß wir
Über den Aequator gehen!

Neptun hat seine Rede beendet und der Astronom mit Fernrohr und Sextant geht auf die Kommandobrücke, um mit Triton Höhe und Breite zu berechnen, während der Pfarrer sein Predigtbuch aufschlägt und folgende Rede hält:
"Im Namen Zeus, Neptuns und der übrigen Götter! Amen! Damit Ihr, die Ihr Landratten Kahnschiffer und Fischer seid, die noch nie das Meer, Neptuns blaue Wahlstätte gesehen haben, würdig werdet unter seinen Schutz zu treten und seine Güte theilhaftig zu werden, hat Er in seiner großen Weisheit die Taufe eingesetzt. Es ist also nicht, wie Ihr glaubt, ein Spaß um Euch Ihr thöricht Verblendeten die Zeit zu vertreiben sondern eine sehr ernste Sache, deren Nothwendigkeit ich Euch in folgendem Gleichnis klarmachen werde. Fällt Jemand ins Wasser, der nicht getauft ist, nicht schwimmen kann und auch nicht wieder herausgezogen wird, so muß er jämmerlich ertrinken. Ist er aber getauft, kann schwimmen und rechtzeitig aus dem Wasser gezogen, so ist er gerettet, weil er eben durch die Taufe, der hohen Gnade theilhaftig geworden ist, unter Neptuns Schutz zu stehen. Damit nun aber kein Unwürdiger zur Taufe gelange, hat Neptun bestimmte Orte eingesetzt, an denen allein getauft getauft wird und zu den zu gelangen es einer längeren Reise bedarf, auf der sich ein Jeder vorbereiten kann und muß, um solch einer hohen Gnade und Güte theilhaftig zu werden. An einem solchen Orte, geliebte See- und Landratten, seid Ihr nun angelangt, dieser Ort heißt Aequator. Es ist eine besondere Gnade für Euch, daß Ihr gerade hier getauft werdet, denn es ist hier die Haupt-Taufstation und stehen die, so hier getauft werden unter Neptuns besonderem Schutz. Wer nun aber getauft wird, hat sich den Anordnungen Neptuns zu fügen. Thut er das nicht, so ist er wiederhaarig und um ihm gleich seine Wiederhaarigkeit bei der Taufe zu nehmen, wird er rasiert, folglich ist auch das Rasieren nicht zum Scherz, sondern eine weise Einrichtung Neptuns, der seinen Unterthanen das Gehorchen leicht machen will und ihnen deshalb Wiederhaken, Stacheln und Borsten abnehmen läßt. Da ich nun Euch die Bedeutung und die Nothwendigkeit der Taufe klargemacht habe, so lasset uns Neptun bitten, daß er Euren GedankenGlobus erleuchten möge und es Keinem einfalle, was ich gelehrt habe, nicht zu glauben oder daran zu zweifeln, auch kein Abtrünniger unter Euch sei der sich weigert, die Taufe zu empfangen, was unfehlbar Neptuns ganzen Zorn und seine ganze Polizei dem Betreffenden auf den Hals laden würde. So empfanget den in dem Glauben den Segen Neptuns, welcher ja bekanntlich von oben kommt! Amen! Bei diesen letzten Worten, gießen die im Großmars befindlichen Leute die Pützen Wasser von oben über die Mannschaft, welche dichtgedrängt beisammen an Deck steht. Nun bat der Barbier um das Wort:

"Als Neptun einst spazieren fuhr
Kam in das Räderpaar
Sein Bart der fast so alt wie er
Auch ziemlich lang schon war
Ich, der damals noch war Jüngling
Griff schnell zu meiner Scheer
Und schnitt Ihm da's nicht anders ging
Die ganze Larve leer.
Da in der Noth ja wie bekannt
Der Teufel Fliegen frißt
Hab ich den Bart schnell und gewand
Mit Wagenschmier geseift.
Das Glück war gut, ich packte zu
Und mit 'nem Löffelstiel
Rasierte ich Ihn glatt und blank
Was ihm gar sehr gefiel.
Seitdem bin ich sein Hofbarbier
Und lebe gar nicht schlecht
Und da es viel zu saufen giebt
Ist es mir gerade recht.
Daß ich Euch heut barbieren kann
Freut mich ganz königlich,
Und daß ich keinen schonen wird
Das glaubt mir sicherlich.
Hier seht Euch dieses Messer an
Herr Vulkan baut' es fein
Aus Junos Krinolinenreif
Auch ist es nicht zu klein.
Schon manchen jungen Naseweis
Schnitt es die Nase ab
Doch auch schon manchen Knasterbart
Den letzten Rest es gab.
Mit dieser Schere Venus einst
Sich Venuswinkel schnitt
Als sie beim Schäfer Paris sich
Um einen Apfel stritt.
Sie hat nun schon die Köpfe viel
Geschor'n wie einen Kohl
auch schert sie alle Köpfe gleich
Ob voll sie oder hohl.
Dann hab ich hier noch einen Kamm
Von jener Loreley
Die immer noch am alten Rhein
Die Kehl sich singt entzwei.
Der könnt die Haare glatt und kraus
Ob auch der Schädel kahl
Und kämmt er sie auch alle aus
Es ist ja auch egal.
Auch diese Zange ist einmal
In Vulkans Schmied gediehen
Und brauch ish sie wann's nöthig ist
Um einen Zahn zu ziehen.
Hat also Jemand einen Zahn
Der ihm nicht recht aediehn
So komme er nur geschwinde her
Und lasse ihn sich ziehn.
Von mir will ich nicht sagen viel
Ein Jeder sieht mir's an
Daß ich 'ne ganze Menge Stoff
In meinem Leib vertragen kann
Hier mein Gehilfe hübsch und schlank
Ist kein so dummer Wicht
Nur das Rasieren um den Bart
Versteht er mir noch nicht
Und nun ans Werk geschwinde
Bringt her den Seifenschaum
Die Herren zu barbieren
Oh! Ich erwart es kaum!


Triton und der Astronom haben während dem eifrig die Höhen und Breiten genommen und sehen wiederholt mit ihrem Fernrohr zum Himmel und kaum hat der Barbier seinen Vortrag beendet so theilt Triton, Neptun und der Besatzung mit, daß man eben die Linie schon Linie schon passieren thue und bitte zur Bekräftigung dieses Momentes den Kaptän, ebenfalls durch das Fernrohr zu sehen, da seinem Fernrohr kein gleiches nachkomme. (Der Kaptän sieht hinein und erblickt thatsächlich am Himmel einen Strich, was aber nur an der weiten Öffnung des Rohrs, eine quer darüber gespannte Schnur ist.) Auf einen Wink Neptun nimmt die Taufe ihren Anfang. Auf der Steuerbordseite des Achterdecks, wurde der Scheuerprahm, eine Art Trog zum Außenbord reinigen bestimmt, um in Funktion als Taufbecken aufgestellt und die Dampfpumpe in Gang gesetzt, um das nöthige Taufwasser zu liefern, womit nicht geknausert wurde. Der Schlauch ohne Mundstück wurde von einem der Neger gehandhabt, der Prahm - gut 60 cm hoch - voll Wasser gefüllt und der Länge nach auf ein Brett gelegt, worauf sich die Täuflinge niedersetzten. Der Sekretär rief dieselben aus seiner Liste der Reihe nach auf, die Offiziere machten den Anfang. Während der Barbier den Täufling mit der Schere bearbeitet, seift der Gehilfe mit Hilfe des großen Pinsels denselben ein und der Schaum wird nicht gespart, den Mund aufmachen darf man nicht, sonst hat man denselben voll, nachdem man mit dem großen Messer bearbeitet worden ist, wird man mit Hilfe des Schlauches abgespült und dann mit den großen Bürsten frisiert, wenn fertig, ziehen die beiden Neger an jedem Ende des Brettes postiert, dasselbe weg und "plumps" liegt der Täufling im Taufbecken. Die Taufe ist nun vollendet. Daraus hilft man sich selbst auf schnellstem Wege. Diese Prozedur geht so schnell vor sich, daß man gar nicht groß zur Besinnung kommt. Bekam der Barbier, welcher ein Maat war, einen guten Freund zwischen die Finger, so hatte derselbe nichts zu lachen, ebenso sogenannte Drückeberger, welche um Spaß zu erregen, so thaten, und nun von der schwarzen Polizei gefesselt vor Neptun gebracht wurden, erregten große Heiterkeit. Der Pfarrer, seines Talars entledigt, war ebenfalls handgreiflich Betheiligter an der Taufe. Etwas nach 6 Uhr war Alles beendet, Neptun machte noch eine Rundfahrt auf Deck, wo er mit seinem Gefolge hinter der Vorhang verschwand. Nach dem Abendbrot wurden die oberen kleinen Segel, Bram- und Oberbramsegel fest gemacht und es gab einen gemüthlichen Abend. Die Musik spielte zum Tanz auf und es gab Grog in großer Menge, die Herren Offiziere hielten ihren Taufschmaus auf dem Achterdeck. Die Nacht verlief vom schönsten Wetter begünstigt.

4. Mann über Bord

Am 10. Januar Morgens machten wir Dampf auf, Schraube zu Wasser geführt und Segel festgemacht. Wir hatten totale Windstille, nur die Dämmerung wogte träge über das Meer. Am Nachmittag dieses Tages fiel ein Matrose aus der Fockrüst über Bord, niemand hatte ihn über Bord fallen sehen, auch hatte derselbe keinen Schrei in der ersten Bestürzung ausgestoßen, und da wir gute 10 Meilen liefen befand er sich bald eine gute Strecke hinterm Schiff, zum Glück ein guter Schwimmer und auch keine Haie in der Nähe. Der Kaptän, welcher sich in der Kajüte befand und durch das hinterste Fenster das Kielwasser beobachtet hatte, bekam den Mann zuerst in Sicht, sprang an Deck, ließ die Maschine stoppen und der Ruf "Mann über Bord" hallte durch das Schiff. Die Kuttermannschaft der Wache sprang in ihr Boot und wurde zu Wasser gelassen, in Zeit 1/4 Stunde hatten wir den Mann wieder an Bord, ein Glück für denselben, daß wir unter Dampf waren, und auch ruhige See hatten. Unter Segel und bei Seegang geht das nicht so schnell, da hier das Schiff erst durch Backbrassen der Segel zum Stillstand gebracht wird. Deshalb tritt bei dem Ruf "Mann über Bord" die ganze Mannschaft, bei Nacht mindestens die Wache an. Bei Tage wie des Nachts wird wenn nöthig ein Mann nach oben in den Mast geschickt, um den Mann im Auge zu behalten und die Richtung anzugeben, wo er sich befindet. Wenn es sofort bemerkt wird, daß jemand über Bord fällt, kann man ihm einen Rettungsring nachwerfen und er wird versuchen, ihn zu fassen, bei Nacht ist es schon schlechter, aber auch dafür hat die Erfindung etwas erfunden, die Patentrettungsboje. Unsere Kriegsschiffe waren damit versehen, dieselbe hängt außenbords am Heck an drehbaren Haltern, welche Innenbord mit 2 Knöpfen in Verbindung stehen, steht man davor, so liest man an dem rechten Knopf das Wort "Feuer" auf dem linken "Fall". Diese Boje hat in einer in der Mitte stehenden Röhre einen Zündstoff, welcher wenn entzündet, wie Fackelfeuer oben aus der Röhre brennt, deshalb steht von Abends bis Morgens mit Ablösung ein Nachtposten, um wenn nöthig und der Wachthabende Offizier es befiehlt, dieselbe in Funktion treten zu lassen, was in der Weise geschieht, daß der Posten zuerst auf den rechten Knopf drückt, die Zündmasse entzündet sich nun, dann drückt er auf den linken Knopf und die Boje fällt zu Wasser. Man erreicht damit zweierlei, erstens wird der Mann im Wasser versuchen, die Boje, da er ja das Feuer sieht, zu erreichen und zweitens wird das Rettungsboot dieses als nächstes Ziel benutzen und der Mann oben im Mast kann der Schiffsleitung angeben die Richtung, da man ja mit dem Schiff ebenfalls manövrieren muß, um in der Nähe zu bleiben. Bei schlechtem Wetter und hoher See ist eine Rettung allerdings kritisch und nur von Fall zu Fall auszuführen, wenn nicht gar unmöglich. Auf deutschen Kriegsschiffen ist es strafbar, ohne Leine um den Leib sich außenbords zu irgendeiner Arbeit zu begeben und dieses hatte bei uns der Mann versäumt. Es ist aber schon vorgekommen, daß ein Mann von oben aus der Takelage durch einen Fehltritt oder Griff bei überliegendem Schiff über Bord gefallen ist, oder bei einer überkommenden Sturzsee über Bord geschwämmt wurde.

weitere Informationen finden Sie unter:

 

Geschichte der Kaiserlichen Marine

 

Computergenealogie

 

Mein Patchwork